Seite auswählen

Die Hoffnung ist stärker als die Angst

von Mark Offermann ∙ erschienen in standpunkt

Der Herbst bricht an. Nach dem goldenen Sommer 2014 wollen es einige, wichtige Politiker im Bundestag noch nicht wahrhaben, dass nun komplizierte Zeiten anstehen. Es ist der Herbst der ankommenden Flüchtlinge. Willkommenskultur breitet sich aus, Kanzlerin Merkel verkündet die kurzfristige Aufhebung europäischen Asylrechtes und ebnet den Weg für eine Politik der moralischen Überlegenheit, wie es später heißen wird. Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsgebiet Syrien oder dem von Krisen und Terror gezeichneten Afghanistan suchen Schutz vor Verfolgung – in Deutschland wie in Europa.

Was aus deutscher Sicht und der von Bundeskanzlerin Merkel als „alternativlos“ gilt, sehen nicht alle in Europa so. Die Flüchtlingspolitik der offenen Grenzen bekommt Risse. Nachdem Ungarn sich einer Aufnahme von Flüchtlingen verweigert, folgt auch Polen. Der östliche Nachbar am Rande der Ukraine galt sehr lange als Auswanderungsland. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschoben sich die Grenzen des polnischen Staatsgebietes, zahlreiche Aussiedler verließen das Land in Richtung Westen. Heute wird Polen seit fast zwei Jahren von der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) regiert. Nationalistische Töne und eine restriktive Einwanderungspolitik bestimmen den Ton der Politik. Die Zeichen stehen auf Abschottung.

Doch stimmt das? Nur bedingt. Seit der Ukraine-Krise reisten viele Ukrainer aus den Kriegsgebieten im Osten nach Polen und stellten Anträge auf Asyl. Die Regierung nimmt ukrainische Flüchtlinge bereitwillig auf. Nachdem hochqualifizierte, polnische Arbeitskräfte in die wirtschaftlich attraktiven Länder des Westens abgewandert sind, mangelt es Polen an Arbeitskräften im eigenen Land. Ukrainische Migranten kommen der Regierung gerade recht. Das Problem: Oft bekommen eingewanderte Ukrainer unterbezahlte Jobs, die von polnischen Arbeitern nicht angenommen werden. Ein Nährboden, der wie gemacht zu sein scheint für soziale Unruhen und Ressentiments, wie sie auch von der polnischen Regierung geschürt werden.

Nach außen bekräftigt die PiS-Regierung mit ihrer scharfen Rhetorik das Bild eines unkooperativenen Partners. Die europäische Solidarität bei der Flüchtlingsfrage wird von der Regierung nicht mitgetragen. Wie aber steht die polnische Bevölkerung zu Fragen der Einwanderung und Integration von Flüchtlingen? Unsere Schüler Max Bohmer und Lea Szukalla haben nachgefragt. Mit einem internationalen Team reisten sie nach Lubin in Polen, um den Ursprüngen der Flüchtlingsthematik auf den Grund zu gehen. Auf der Reise in ein Land, das Stolz und Vorurteile ebenso vereint wie die Hoffnung auf Wandel.

Publiziert in: Jugendmagazin „standpunkt“